Von der Komplexität zu Einfachheit

Unternehmensberater Dieter Brandes über Komplexität als „lautlosen Killer“ vieler Unternehmen

17.03.2014

Das Business wird immer komplexer. Laut einer Befragung von 400 Führunskräften im Jahr 2012 wird die rasche Zunahme von Komplexität gefährdender für das Unternehmen und sein Wachstum eingestuft, als mangelndes Marktpotenzial. Die Komplexität in unserer Umwelt wächst währenddessen rasant. Alles dreht sich um Globalisierung, Expansion, Big Data und das Internet.

Doch woher kommt die Komplexität, wenn keiner sie möchte?

Dieter Brandes, Inhaber des Instituts für einfachheit in Hamburg, sieht als Hauptursache fehlenden Mut. Den Mut, zu verzichten. Sich klare Ziele zu setzen anstelle schwammiger Formulierungen, die irgendwie alles mit einschließen. „Nice to have“ heißt die Falle, in die viele tappen.  Unternehmen, egal welcher Größe, sollten sich im Klaren darüber sein, was genau sie wollen und wohin der Weg führt, den sie gehen. Genauso wie klar sein sollte, was nicht im Fokus liegt. Der Hang zu Perfektion resultiert meist aus der Angst vor Fehlern und ist in den seltensten Fällen förderlich. Komplexe Systeme werden somit nur noch begünstigt.

Können Sie einfach und überzeugend erklären, warum ein Kunde gerade Ihr Produkt kaufen oder Ihre Dienstleistung in Anspruch nehmen sollte? Erschreckend viele können es nicht.

Es werden viele Ressourcen verschwendet in der aufwändigen und unnötig komplexen Errechnung von Betriebsprozesskosten, um anschließend Sparpotenziale zu identifizieren. Sparen lässt sich aber auch schon ohne aufwändige Rechnungen: Fast alle der Befragten Unternehmen verschwenden Zeit mit der endlosen Quantifizierung von Jahreszielen für Mitarbeiter. Ebenso sind umfangreiche Bonussysteme und Budgetierungs-Prozesse unnötige Komplexitätstreiber.

„Einfachheit ist die höchste Stufe der Vollendung“  (Leonardo da Vinci)

Es ist zunächst Voraussetzung, dass die Komplexität als solche überhaupt erkannt und deren Unnötigkeit verstanden wird. Drei Stufen führen zurück zur Einfachheit:

  1. Vermeidung von Komplexitätszunahme
  2. Umfassende Reduktion der vorhandenen Komplexität
  3. Beherrschung der als notwendig erkannten Restkomplexität

Individualisierung, Flexibilisierung und Personalisierung gehen mit Einfachheit Hand in Hand. Im Sinne der Dezentralisierung von Arbeitsprozessen und der Übertragung von mehr Autonomie auf den einzelnen Angestellten, ist dies sogar ein gutes Mittel der Vereinfachung.

Big Data hingegen sollten kritisch betrachtet werden. Genau jene Daten, die ungenutzt im System verstauben und Freiräume verstopfen erhöhen die Komplexität unnötig. Die Orientierung geht verloren und mir ihr der Blick für das Wesentliche. Wir haben sowieso in den Meisten Fällen schon zu viel von allem. Den Meister erkennt man an der Beschränkung auf das Wesentliche.

Einfachheit ist möglich. Mit Bewusstheit und Disziplin.

 

 

Quelle: acquisa, Dialogmarketing & E-Commerce (03/2014), S.58f

 

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